Stadtbahn, U5 und Olympia in Hamburg | Blog dicht

Da das Thema Rot-Grün in Hamburg wohl durch ist und damit sehr wahrscheinlich auch die (Verkehrs-)Systemfrage, wird der Blog vorläufig geschlossen. Aktiv war ich hier auch nicht mehr und ein Freund aus Hamburg, der ein paar Beiträge schrieb, hat beruflich derzeit in Berlin auch genug um die Ohren, als dass er hin und wieder etwas schreiben mag. (Auch wenn ich es erfrischend fand, wenn er über Berlin als Hamburger in Berlin schrieb und ich in Hamburg als Berliner über Hamburg.)

Aber nun zu Olympia. Der DOSB entschied sich also für Hamburg. Und das Netz tobt natürlich. „Provinz-Nest Hamburg! Sind zu blöd für eine Philharmonie! Berlin ist eine Weltstadt!“

Warum die Aufregung? Zum einen hat kaum jemand damit gerechnet, dass sich die Bürger Berlins im September per Volksentscheid für die Spiele aussprechen. Nicht einmal die Befürworter glaubten das. Und damit hätte sich der Sport nach Münchens Bewerbung für 2022 in Deutschland erneut nachhaltig keinen Gefallen getan. Es ist doch jedem klar, dass das weniger eine Entscheidung für Hamburg ist, als viel mehr gegen Berlin. Jedoch verstehe ich es, wenn viele auf Berlin gehofft haben und nun per Shitstorm etwas Frust abbauen möchten.

Und wenn man auch annimmt, das Meinungsbild hätte noch kippen können: Berlin hätte keine Chance gehabt, auch wenn das meine Mitbürger mit ihrer „Nur wir sind eine Weltstadt, weil wir das so sagen und dies für wichtig halten“-Attitüde anders sehen. Man hält sich für weltmännisch und unterlegt dies mit provinzieller Anti-Weltläufigkeit, die schon ihre Probleme mit allem hat, was nicht im märkischen Sand liegt.

Aber beides ist für die Bewerbung absolut irrelevant. Die neue Strategie des IOC sieht vor, dass Spiele nachhaltig und kompakt sein sollen. Berlins Papier, das im Prinzip nur aus „Wir waren schon mal dran und haben noch unser Olympiastadion“ bestand, war wenig überzeugend. Aus dem selben Grund versuchen es die USA mit Boston und nicht mit New York, Los Angeles, San Francisco oder Washington. Und auch ein Blick auf vergangene Austragungsstätten zeigt eher, dass „second cities“ die Regel und nicht die Ausnahme sind, ob München, Barcelona, Atlanta oder Sydney im Sommer sowie Nagano, Salt Lake City, Turin, Vancouver und 2018 Pyeongchang im Winter. Aber vermutlich will man zur Genugtuung als Kosmopolit, der seinen Kiez nie verlässt, in zweieinhalb Jahren ein „Mit Berlin hätte Deutschland gewonnen“ von sich geben.

Und soll man großartig auf die Elbphilharmonie eingehen? Ein Gebäude, dass manch eifriger Schreiberling nur deshalb kennt, weil die Kosten stiegen und sich der Bau verzögerte (-> Schlagzeilen), während Projekte im x-fachen Umfang im selben Stadtteil ohne besagte Probleme durchgezogen werden (-> keine Schlagzeilen), ob Verkehrsinfrastrukturen (Brücken, U-neue Bahnen, …), Hochschulgebäude, Parks und andere öffentliche Einrichtungen?

Da ist mir die Zeit jetzt zu schade und der Witz ist ähnlich ausgelutscht wie „Ich hab schon vom BER gehört und hab das Bedürfnis dieses bahnbrechende Wissen in jedem Thema mit Berlin-Bezug zu erwähnen, damit mich anonyme Internet-User für top informiert halten“. Was dort die jeweilige Probleme waren interessiert eh so wenig wie jene Vorhaben, die ohne Probleme ablaufen. Als Atheist versuch’s ich’s dann doch noch mit einem Gebet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet

Verkürzt kann man sagen: mit Hamburg hat Deutschland eine Chance. Eine sehr kleine Chance, vor allem gegen Favoriten wie Boston. Mit Berlin hätte Deutschland gar keine Chance, selbst wenn die Befürworter eine Mehrheit auf die Beine kriegten.

Und die Chance für Hamburg ist wirklich klein. Das liegt nicht nur an der Konkurrenz, sondern auch an der Fußballeuropameisterschaft, für die sich Deutschland für 2024 bewerben will. Und sollte dies eintreten, war es das mit Olympia, da die Regeln des Olympischen Komitees bereits ausschließen, zwei Großveranstaltungen in einem Jahr im selben Land durchzuführen.

Wäre Olympia für Hamburg wünschenswert? Sicher. Es würde Milliarden an Geldern, vor allem aus privater Hand, aber auch vom Bund, mobilisieren, und die Stadt für Generationen positiv prägen. Und das nicht nur für den Sport und die Bekanntheit, sondern auch für die Stadtentwicklung inkl. Infrastrukturen, Wohnraum und lokale Wirtschaft. Attraktiv für den Hafen ist die Elbinsel auch nicht mehr und würde den Sprung über die Elbe eher schaffen als IBA und igs zusammen. Aber man kann es sich abschminken und 2028 dürfte es höchstens im Punkt EM-Bewerbung anders aussehen. Da ist meine Befürchtung, dass man sich nun viele Jahre in der Stadt nur noch um die Spiele kümmert und andere Anliegen außer Acht lässt.

Aber nun zu den wichtigen Dingen. Rot-Grün verständigte sich in Hamburg darauf, die Stadtbahn einzustampfen. Die CDU gab das Vorhaben direkt nach der Wahl schon auf. Stattdessen soll der Ausbau von U- und S-Bahnen beschleunigt werden, u.a. durch mehrere Tunnelbohrmaschinen, die gleichzeitig von Ost und West die U5 Richtung Innenstadt bauen. Zudem wird die U4 zumindest im Osten verlängert, aber wahrscheinlich auch gen Süden, selbst wenn die Spiele nicht kommen. An neuen Stationen (zumindest Oldenfelde bei der U1 und Ottensen auf der S1) ist man auch dran, genau an S21 und S4. Außerdem Verdichtungen von S1(1) und S3(1).

Damit dürfte die Stadt die nächsten Jahre genug zu tun haben und endlich Ergebnisse liefern. Für die Stadtbahn fehlt dann nicht nur Geld und Personal/Ressourcen, sondern vor allem der Bedarf. Ist die U5 zwischen Siemersplatz-Hauptbahnhof-Rübenkamp geschlossen, sind die Sorgenkinder M5 und M6 beseitigt.

Im Netz sind die Diskussionen auch noch die gleichen. Die einen verweisen darauf, dass einzelne Städte Stadtbahnen einführen, während andere erwähnen, wie viele Neu- und Ausbauten alleine in den letzten Jahren an den Bürgerprotesten scheiterten und dass in Hamburg gerade mal 20% eine Stadtbahn wünschen, aber über 70% (also auch MIV-Nutzer, die sich des Nutzens bewusst sind) U- und S-Bahnen. Damit hat sich Thema erledigt, ob man es gut findet oder nicht. Die Wahl sprach ebenfalls eine klare Sprache, da die Verkehrsplanung im Mittelpunkt stand. Und die anfängliche Überlegung, das Thema per Volksentscheid zu klären, dürfte bei so eindeutigen Zahlen auch vom Tisch sein.

Und viele Vorhaben werden die Grünen auch umsetzen können, nicht nur bei der U5-Beschleunigung, die die Partei als „Ersatz“ für die Stadtbahn wünschte, sondern auch im Radverkehr, Umweltschutz, Hafenverkehr und Bürgerbeteiligung. Vielleicht führt die U5-Beschleunigung auch zu einem gesunden Mix, indem Steilshoop per U-Bahn angebunden wird, aber Lurup und Osdorf per S-Bahn, inkl. Verlängerung nach Schenefeld. So oder so: die Stadtbahn hat sich erledigt, der Fokus liegt nun bei heavy statt light rail: http://www.nahverkehrhamburg.de/s-bahn-hamburg/item/1403-faehrt-statt-geplanter-u5-bald-die-s-bahn-nach-osdorf-und-lurup

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Blitzmarathon – Sinn oder Unsinn?

Morgen ist es (wieder) so weit: Der zweite bundesweite Blitzmarathon findet statt. Und natürlich ist die Empörung wieder groß. Aber leider ist mein Eindruck dabei häufig, dass sich viele Fahrer gar nicht so recht bewusst sind, was solche Maßnahmen bringen und verheddern sich (ungewollt) in Widersprüchen. Erst vorhin hatte ich die Diskussion wieder erlebt.

Aussage 1: Das ist eine große Abzocke! Die Polizisten sollte man lieber dafür einsetzen, dass sie auf den Fußgängerwegen für Recht und Ordnung sorgt. Und dann noch der ganze Drogenhandel an den Schulen. 

Aussage 2: Es ist zudem Verschwendung von Steuergeldern, wenn man vorher ankündigt, auf welchen Straßenabschnitten geblitzt wird, da so ja wenig(er) Geld in die Staatskassen kommen. Aber mit dem deutschen Zahlmichel kann man’s ja machen!

Das klingt zunächst sogar nachvollziehbar; selbst wenn man ausblendet, dass es selten nützlich ist, eine Polizeitätigkeit mit der anderen auszuspielen und dabei argumentativ in die selbe Sackgasse zu geraten, die man aus dem Verkehrswesen gut kennt. Max Mustermann: „Wir brauchen kein Tempo 130 auf Autobahnen! Wenn man etwas für die Verkehrssicherheit tun will, dann lieber erstmal bei Promillegrenzen, bei der Qualität der Fahrausbildung, bei LKWs in Städten, bei Sicherheitsstandards der Fahrzeuge, bei der Einhaltung/Kontrolle der Geschwindigkeit, … das alles bringt zusammen doch mehr als Tempo 130“. Max Mustermann am nächsten Tag: „0,0 Promille bringt doch wenig. Lieber [zahlreiche Maßnahmen/Ideen hier einsetzen] umsetzen, das bringt zusammen doch mehr!“. Und so dreht man sich ewig im Kreis.

Wie auch immer. Die Aussagen 1 und 2 sind, wie gesagt, erst einmal einleuchtend und sehen beide die Einnahmen im Vordergrund. Also das, was der Steuerzahler/Autofahrer ggf. selbst im eigenen Portemonnaie spürt. Aber an dieser Stelle (bzw. an der eigenen Windschutzscheibe) hört das Thema nicht auf.

Blitzer leisten, so wenig manch einer es auch glauben mag, selbstverständlich ihren Teil zur Verkehrssicherheit, auch wenn sie natürlich niemals 100%-ige Verkehrssicherheit herstellen können, wie manch einer polemisch erwartet, damit sie eine Existenzberechtigung haben. Und sobald diese willkürliche Prämisse nicht gegeben ist, haben sie folglich keine und gehören abgeschafft. Dabei gilt aber dieser Nutzen sowohl für unangekündigte Blitzer, die in der Regel einem pädagogischen Zweck dienen (-> stets mit ihnen rechnen und daher das Tempolimit einhalten, damit man nicht (wieder) ein Ticket kriegt), als auch angekündigte Blitzer, die an Gefahrenstellen Fahrer abbremsen lassen und somit das Unfallrisiko senken.

Mal ein konkretes Beispiel: Bei meiner Berliner Bude ist eine Kreuzung, die vor Jahrzehnten nicht so übersichtlich gebaut wurde für heutige Anforderungen, aber auch nicht aus städtebaulichen Gründen ertüchtigt werden kann. Dort hat es früher regelmäßig gekracht und eine Schülerin wurde von einem Raser zu Matsch gefahren, woraufhin die Verwaltung endlich handelte und einen Blitzer aufstellte, der groß und fett angekündigt wird. Da kommt dann ein pfiffiger Berufsempörter und sagt „Na, wenn die angekündigt sind, dann bringen sie doch nichts, weil sich keiner wischen lässt“. Und sicher, es lassen sich wohl weniger „erwischen“ als bei einem unangekündigten Blitzer, der unregelmäßig aufgestellt wird. Doch was ist das Ergebnis? Das Ergebnis ist, dass die Leute dort zumindest auf 50-100 Metern mal vom Gas gehen und es seitdem an der Kreuzung kaum noch zu Unfällen kommt.

So ein Blitzmarathon zielt auf beide Aspekte an. Sprich, zum einen gingen an diesen Tagen (Vorreiter waren übrigens größere Länder wie NRW) die Unfallzahlen stark zurück, da manch einer lieber konzentrierter als sonst auf seine Geschwindigkeit achtet. Das ist schon mal gut. Zum anderen werden — trotz Ankündigung — überdurchschnittlich viele Raser geblitzt und teilweise aus dem Verkehr gezogen.

Dass sich weitere Bundesländer angeschlossen haben, hat einen weiteren (verkehrspädagogischen) Nutzen: Man schenkt dieser Aktion zumindest für wenige Tage große Beachtung und damit werden auch jene, die seit Jahrzehnten fahren, mindestens einmal im Jahr für das Thema Raserei sensibilisiert; zumal die Medien es aufschnappen — vom Lokalblatt, das die kontrollierten Strecken veröffentlicht, bis zum bundesweiten Medium, das darüber berichtet. Das kriegt die Polizei mit keiner Werbemaßnahme ähnlich effektiv hin. Und sicherlich wird es manch Verkehrsrowdy recht egal sein. Aber auch hier sind die „entweder 100% oder nichts“ nicht der Maßstab. Wenn es nur dafür sorgt, dass jeder Zehnte sich mal intensiv mit dem Thema beschäftigt und mal über das eigene Fahrverhalten nachdenkt oder gar nachhaltig verändert, dann ist diese Aktion bereits ein Erfolg.

Übrigens: Das, was diese vermeintlichen Abzockkisten einspielen, deckt in der Regel nicht einmal ihre Anschaffungskosten. Angekündigte Blitzer sowieso nicht. Und das müssen sie auch nicht. Jedes Jahr entsteht alleine in Deutschland durch Raser ein volkswirtschaftlicher Milliardenschaden, den die ganze Gesellschaft trägt. Und den gilt es schon aus sozialen Gründen zu reduzieren. Wenn man das als „mehr Kohle fürs Staatssäckl“ bezeichnet möchte: Bitte, nur zu, mir nun auch egal. Nach positiven Evaluationen und Untersuchungen sind auch andere Staaten auf diese Aktion aufmerksam geworden und schauen sie sich ab.

Daher zielt so eine kurze Aktion auch auf langfristige, positive Effekte. Und sicherlich kennt jeder irgendwelche Boulevard-Meldungen, wonach irgendeine Blitzkiste in Kleinkleckersdorf ordentlich Geld „einspielt“ und deshalb besser für die Auflage des Blatts geeignet ist als eine Berichterstattung über die anderen 99%.

Bloß entsteht dort das selbe bzw. ein weiteres „Dilemma“ wie bei der Frage nach einer (Nicht-)Ankündigung von Blitzern. Wie lange ein Blitzer hält, wie viel er „einspielt“ und wie die externen Kosten konkret zu monetarisieren sind, ist auch nicht bequem zu ermitteln. Kostet Anschaffung und Betrieb erstmal mehr als es einbringt, kommt der Aufschrei nach Steuerverschwendung. Rasen so viele und lassen sich dabei erwischen, daß (ggf. wider Erwarten seitens der Polizei) die Bußgelder diese Kosten übersteigen, dann ist es Abzocke. Dabei wird man nie exakt auf +-0 EUR kommen.

Man kann’s also nur verkehrt machen, wenn die Aufregung vor allem von jenen kommt, die nur schauen, mit welchen Argumenten sie diesmal ihren verbalen Krieg für „freie Fahrt“ bestreiten.

Ist aber auch nicht so wichtig. Der Trend geht ja in die richtige Richtung und das ist schon mal gut. Und wenn einer tatsächlich den Nutzen nicht nur leugnet, sondern ihn wirklich nicht begreift, dann muss ich (leider) nach so vielen Jahren sagen: Auch nicht weiter wild, solange er sich ans Tempolimit hält. Das ist meist der selbe Typ Mensch, der aufwendige Straßenbaumaßnahmen als Schikane von Straßennutzern empfindet, für den jede Ampel falsch geschaltet ist und der nicht Stau ist, sondern sich nur in einem befindet.

Und dabei können sie ihr Problem so wunderbar einfach lösen, selbst wenn sie tatsächlich an die Abzocke „glauben“ wollen: Einfach das Tempolimit einhalten. Fertig. Dann kann sich auch die Gemeinde, die seltener zermatschte Jugendliche aus den Leitplanken kratzt, ja noch so sehr darüber ärgern, dass nicht mehr ein paar zusätzliche Euros ins Staatssäckerl gespielt werden. Und wenn nun auf Twitter, Facebook, taz, FAZ, ZEIT, BILD, Niendorfer Wochenblatt, in Online-Foren, am Arbeitsplatz und in der Kneipe über Sinn und Zweck von Blitzern im Allgemeinen und dem Blitzmarathon im Speziellen gestritten und diskutiert wird, dann lohnt es sich schon.

Wie auch immer. Vielleicht zur Abwechslung (rein aus pädagogischen Gründen, versteht 😉 ) zum Schluss noch Bildchen, die mir in letzter Zeit zugeflattert kamen und die ich teils informativ, teils unterhaltsam finde und daher nicht vorenthalten möchte:

In diesem Sinne wünsche ich schon einmal jedem morgen einen schönen „Tag des Deutschen Blitzers.“ (Hoffentlich klingt das nicht zu gefährlich für Nicht-Muttersprachler.)

Nord-Variante der U5 wahrscheinlich + Bürgerentscheid zur Seilbahn in Hamburg

Das Thema U5 kommt langsam voran, auch wenn die ausführlichere Machbarkeitsstudie noch auf sich warten lässt. Aber es bleibt in Diskussion. Jedenfalls sprechen mehrere Gründe dafür, dass man nicht die Route über Altona wählt, sondern über Eimsbüttel. Diese würde vom Hbf. bis zum Siemersplatz in etwa die hoffnungslos überfüllte Metrobuslinie 5 unterstützen, wo selbst eine Stadtbahn zeitnah an ihren Kapazitätsgrenzen gestoßen wäre. Gleichzeitig erspart sie eine teure Uni-Station an der Johnsallee auf der U1, während der Bau der Süd-Variante wohl recht schwierig werden könnte aufgrund sensibler Einrichtungen wie DESY. Hier nochmal beide vorläufigen Gedankenspiele (Karte vom Abendblatt):

Eine Y-Lösung scheint offenbar nicht weiter erwogen zu werden. Was ich in dem Zusammenhang aber ganz interessant finde: Auf der deutschen Wikipedia-Seite wird angegeben, dass der Alsterhalbring noch immer geplant sei. Ich weiß zwar nicht, in welchem uralten F-Plan das noch der Fall sein soll und angesichts der fehlenden politischen Diskussion ist diese Annahme auch recht abwegig, aber man wird ja noch träumen dürfen. Gerade im Zusammenhang mit einer Nord-U5 wäre das ja ganz chic aus etlichen Gründen. 😉

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alsterhalbring

Quasi an jeder zweiten Haltestelle ein Umstieg zu einer anderen Linien, primär in dichtbesiedelten Wohngebieten, Entlastung des Hauptbahnhofs, bessere Anbindung des Ostens an die Innenstadt (Hammerbrook sowie Verbindung zur Hafencity), Entlastung der U3 nördlich der Alster, Entlastung der S-Bahnen in Altona sowie bessere Anbindung Altonas, das mit einer Nord-Variante der U5 ja „leer“ ausgehen würde.

und das alles auf (zumindest laut http://www.luftlinie.org/) knapp 12km. Die von mir mal präferierte Stadtbahn, die mit etwa 50km ähnlich teuer wäre die diese 12km, wäre damit auch obsolet und hätte nur noch in wenigen Gebieten einen tatsächlichen Nutzen wie östlich der S-Bahnlinie in Wilhelmsburg, während Burgwedel etc. auch weiterhin mit der ertüchtigten Buslinie 5 angebunden werden; zumal diese immens entlastet würde.

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so überzeugt davon beides zu bauen. Das wäre zwar (aus meiner Sicht) technisch weiterhin die sinnvollste Lösung und würde vor allem in Hinblick auf mögliche Koalitionen recht vielversprechend klingen, um die Planungen z.B. von 2015 bis 2020 inkl. Finanzierung so voranzubringen, dass auch endlich die Bagger rollen können und ein Nachfolge-Senat nicht nach Lust und Laune wieder alles einstampft, aber ich fürchte wirklich, dass der Bürgerprotest einfach zu hoch wäre. Schaut man sich an wie alleine die kleinen, kurzfristigen Maßnahmen der Busbeschleunigung mit mehrmonatigen Baustellen für Aufregung sorgen, dann mag man sich gar nicht vorstellen wie es erst ist, wenn man nicht nur Kreuzungen, sondern ganze Straßenzüge für das Zehnfache an Geld umbuddelt. Vielleicht Zeit für „U5 nur mit U6“ statt „U- bis Stadtbahn“? 😉

Ich hab mir mal zehn Minuten den Spaß erlaubt und die oberen zwei Bildchen grob zusammengepackt. Die erstbeste Kartenvorlage hatte leider den Westen Hamburgs nicht näher drauf und östlich der Alter (Goldbekplatz/Winterhuder Weg/Mundsburg) hab ich etwas undeutlich gearbeitet gepfuscht (und clever, wie ich war, keine Ebenen angelegt, um es zu korrigieren), aber für mehr fehlt gerade etwas die Zeit. Kommt vielleicht noch, wenn mir zudem mal langweilig ist.

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Und nun noch als „Fahrplan“, ebenfalls nur flüchtig. Wie ich gerade sehe, hab ich bei der oberen Variante auch Dammtor/Uni fälschlicherweise „Grindel“ genannt und die eigentliche Station an der Kreuzung Grindelberg zwischen Schlump und Hallerstraße einfach namenlos gelassen; wahrscheinlich weil die weiter westliche gelegene Station Schlump da schon mit Namen stand. Peinlich. Aber gerade keine Zeit an den Fingern, um es neu zu krickeln. Sieht ja vermutlich eh kaum einer.

* Update von 18:00. Hab es nun doch versucht halbwegs zu korrigieren und stelle fest, dass der südöstliche Teil der U6 auch nicht mehr zeitgemäß ist, was auch nicht verwundert, wenn die ursprünglichen Pläne, die ich einfach übernahm bzw. abzeichnete, aus den 1920er kommen. Mindestens eine Anbindung ans S-Bahn-Netz könnte ganz hilfreich sein zwischen Burgstraße und Elbbrücken, wobei das auch etwas von den Wohnungsbauprojekten abhängt. Aber da zerbreche ich mir auch ein andern mal den Dassel.

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Wie dem auch sei. Es bleibt für „Verkehr-Nerds“ spannend. Und falls jemand einen Jux zu ernst nimmt: Nein, das ist natürlich völlig utopisch. Die Politik in Hamburg wird auch einen Teufel tun und gar nun eine zweite komplette Linie vorschlagen, wenn die U5 noch gar nicht konkretisiert ist. Und der Bürger muss wohl erst eine fertige U5 haben plus weitere Verkehrsprobleme, um nach einigen Jahren zu merken, dass weitere Linien ziemlich sinnvoll bzw. notwendig sein könnten. Da spricht man wohl eher von 2060… leider.

Nachlesen kann man die Chose auf NahverkehrHamburg.de:

 

 

Seilbahn St. Pauli-Steinwerder

Die Bürgerschaftswahl ist auch nur noch wenige Monate hin. Und morgen, spätestens Mittwoch, soll bekannt werden wie der Bürgerentscheid in Hamburg-Mitte ausgegangen ist. Was mich zunächst etwas überrascht hatte, war die hohe Beteiligung. Von 200.000 stimmberechtigten Bürgern haben 54.000, also über 25%, bereits per Briefwahl abgestimmt. So viel kam bei den letzten Bürgerentscheiden in Eimsbüttel nicht einmal insgesamt zusammen. Wobei ein kleines Einkaufszentrum in Eidelstedt oder ein einzelnes Gebäude bei Hoheluft wohl die Bürger nicht so reizt wie ein Millionenvorhaben auf St. Pauli, was insbesondere durch den Investor („Spendengelder“) die Bürger weiter sensibilisiert haben dürfte. Ins Bezirksamt Mitte gingen aber offenbar nicht einmal 1.000 Bürger, um ihre Stimme gestern abzugeben, was aber dann auch nicht so verwundert, wenn es für Bewohner aus Wilhelmsburg oder Horn keine andere Möglichkeit gibt (neben der Briefwahl) als ins Bezirksamt am Klosterwall zu fahren. Da es aber eh kein Quorum gibt, ist es soweit auch egal fürs Ergebnis.

Eine eigene Meinung habe ich mir dazu nicht gebildet bzw. stehe da etwas zwischen den Stühlen. Zum einen finde ich auch, dass Hamburg amphibisch ist und bleiben sollte. Versucht man Disneyland und jede zweite Weltmetropole gleichzeitig nachzuäffen, dann verliert man früher oder später den eigenen Charakter und wird für niemanden mehr interessant. In Wien käme ja auch niemand auf die Idee die Hochkultur und die Pferdekutschen abzuschaffen und ein „maritimes Flair“ wie eine norddeutsche Küstenstadt zu dominant zu imitieren.

Zudem kann ich die Anwohner gut verstehen, die von zunehmenden Touristenströmen stark belastet werden und nicht wünschen, dass eine noch höhere Konzentration an diesen Stellen stattfindet. Und dass das Auftreten des Investors (Millionenspende, direktdemokratische Instrumente ausnutzen, Touri-Bahn als ÖPNV darstellen, mit Floskeln wie „Sprung über die Elbe“ die Bürger veräppeln, viele leere Versprechungen wie Verlängerungen machen, …) nicht sonderlich förderlich für so ein Vorhaben im Norden ist, versteht sich von selbst. Das wird auch nicht besser, wenn eine zugezogene Gundelach öffentlich über „die Hamburger“, die immer „gegen Veränderung“ sind, diskreditierend herzieht, dem Alten Elbpark seine Bedeutung für die Anwohner einfach abspricht und sich öffentlich verhaspelt, indem sie behauptet, eine hamburgweite Abstimmung wäre nicht möglich gewesen, obwohl sie einfach die „günstigere“ Variante eines bezirklichen Bürgerentscheids wählte, da die Stimmensammelaktion ein rein kommerzielles Vorhaben war und so das besagte Quorum wegfällt.

Nichtsdestotrotz kann ich mir vorstellen, dass es durchaus mal eine Seilbahn in Hamburg gibt. Die Rahmenbedingungen müssten bloß natürlich andere sein. Also die Akteure sowie die Route. Das würde auch nicht so dominant in Erscheinung treten wie die jetzigen Pläne entlang der Landungsbrücken. So könnte ich mir — nur mal ein fiktives Beispiel ohne Wertung, ob man das Vorhaben unterstützt — vorstellen, dass im Falle Olympischer Spiele auf dem Kleinen Grasbrook dort eine Seilbahn temporär aufgebaut wird. Das könnte, je nach späterer Raumnutzung, südlich vom Hauptbahnhof am Hühnerposten losgehen, dann an durch die Hafencity und an der Speicherstadt vorbei, und letztendlich über die Elbe zum Spreehafen.

Sollten die Hafenflächen dann herausgelöst werden, seh ich auch keine rechtlichen Konflikte mehr wie wir sie zuletzt hatten, als es über den Hafen gehen sollte. Zudem dürfte das für die Gäste auch eine recht hübsche Fahrt sein, falls sie nicht mit S3 oder U4 fahren möchten. Und irgendwie müssen solche Menschenmassen ja abgewickelt werden. Milliarden wie in Sotschi zu verbuddeln für ein Infrastrukturbündel, das am Ende niemand mehr braucht und es sich auch nicht kostengünstig zurückbauen lässt, will man ja vermeiden und eher auf pfiffige, nachhaltige Mobilitätsmanagementkonzepte (welch ein Wort…) setzen. Das könnte ein Mix aus U- und S-Bahn, Bussen, Fähren, Radwegen, Fußgängerleitsystemen und eine Seilbahn in guter Abstimmung durchaus erfüllen, denk ich.

Wobei es natürlich auch ohne Seilbahn ginge. Ich wollte nur nochmal mit einem Beispiel unterstreichen, dass ich es nicht per se ablehne, auch wenn ich sehr gut damit leben kann, wenn hier niemals eine Seilbahn baumelt. Mir wär es eh lieber, wenn der Fernsehturm saniert und neu eröffnet wird. Ich weiß nicht mehr wann ich dort zuletzt drauf war, aber es dürften mittlerweile gut und gerne 20 Jahre sein.

Noch was zum Lesen:

 
ZEIT: Am 24. August endet der Bürgerentscheid zur Seilbahn über die Elbe. Dann platzt womöglich auch ein Business-Traum: Über das Dilemma des Seilbahnbauers Michael Doppelmayr.
 
ORF: Neues Verkehrsmittel oder blanker Zubringer für Touristen? Im Hamburger Kiez St. Pauli gehen dieser Tage die Wogen der Empörung hoch. Bürgerplattformen formieren sich. Nicht nur weil der österreichische Seilbahnhersteller Doppelmayr gemeinsam mit den Hamburger Musical-Theatern ein Seilbahnprojekt plant, das von Betreiberseite und mit eigener Plattform im Internet als neue Form des ruhigen und schonenden städtischen Verkehrsmittels gepriesen wird, Kritikern aber als pure Touristengondel ein Dorn im Auge ist.
 
FAZ: Streit über ein langes Seil
Ein unmoralisches Angebot? An der Elbe tobt der Streit über ein riesiges Seilbahn-Projekt. Am Wochenende dürfen die Hamburger abstimmen.
 
TAZ: Das Bezirksamt Mitte wird keine Spende von Doppelmayr annehmen. Die Seilbahnbauer aus Österreich verstehen die Aufregung nicht.
 
Teilweise etwas veraltet und überholt bzw. auf das jetzige Vorhaben nicht mehr zutreffend, aber die Mediathek von Hamburg1 hat einige Diskussionsrunden zur Hamburger Seilbahn. Der erste Link ist auch noch ziemlich neu. Die anderen zwei muss man unter Vorbehalt genießen, da Streckenführung etc. nicht mehr die selben sind. Viele Argumente pro und contra Seilbahn aber schon.
 
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Braucht_Hamburg_eine_Seilbahn-4011.html
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/(K)Eine_Seilbahn_fuer_Hamburg-3773.html
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Seilbahn_in_Hamburg___Aus_der_Traum-3219.html