Nord-Variante der U5 wahrscheinlich + Bürgerentscheid zur Seilbahn in Hamburg

Das Thema U5 kommt langsam voran, auch wenn die ausführlichere Machbarkeitsstudie noch auf sich warten lässt. Aber es bleibt in Diskussion. Jedenfalls sprechen mehrere Gründe dafür, dass man nicht die Route über Altona wählt, sondern über Eimsbüttel. Diese würde vom Hbf. bis zum Siemersplatz in etwa die hoffnungslos überfüllte Metrobuslinie 5 unterstützen, wo selbst eine Stadtbahn zeitnah an ihren Kapazitätsgrenzen gestoßen wäre. Gleichzeitig erspart sie eine teure Uni-Station an der Johnsallee auf der U1, während der Bau der Süd-Variante wohl recht schwierig werden könnte aufgrund sensibler Einrichtungen wie DESY. Hier nochmal beide vorläufigen Gedankenspiele (Karte vom Abendblatt):

Eine Y-Lösung scheint offenbar nicht weiter erwogen zu werden. Was ich in dem Zusammenhang aber ganz interessant finde: Auf der deutschen Wikipedia-Seite wird angegeben, dass der Alsterhalbring noch immer geplant sei. Ich weiß zwar nicht, in welchem uralten F-Plan das noch der Fall sein soll und angesichts der fehlenden politischen Diskussion ist diese Annahme auch recht abwegig, aber man wird ja noch träumen dürfen. Gerade im Zusammenhang mit einer Nord-U5 wäre das ja ganz chic aus etlichen Gründen. 😉

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alsterhalbring

Quasi an jeder zweiten Haltestelle ein Umstieg zu einer anderen Linien, primär in dichtbesiedelten Wohngebieten, Entlastung des Hauptbahnhofs, bessere Anbindung des Ostens an die Innenstadt (Hammerbrook sowie Verbindung zur Hafencity), Entlastung der U3 nördlich der Alster, Entlastung der S-Bahnen in Altona sowie bessere Anbindung Altonas, das mit einer Nord-Variante der U5 ja „leer“ ausgehen würde.

und das alles auf (zumindest laut http://www.luftlinie.org/) knapp 12km. Die von mir mal präferierte Stadtbahn, die mit etwa 50km ähnlich teuer wäre die diese 12km, wäre damit auch obsolet und hätte nur noch in wenigen Gebieten einen tatsächlichen Nutzen wie östlich der S-Bahnlinie in Wilhelmsburg, während Burgwedel etc. auch weiterhin mit der ertüchtigten Buslinie 5 angebunden werden; zumal diese immens entlastet würde.

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so überzeugt davon beides zu bauen. Das wäre zwar (aus meiner Sicht) technisch weiterhin die sinnvollste Lösung und würde vor allem in Hinblick auf mögliche Koalitionen recht vielversprechend klingen, um die Planungen z.B. von 2015 bis 2020 inkl. Finanzierung so voranzubringen, dass auch endlich die Bagger rollen können und ein Nachfolge-Senat nicht nach Lust und Laune wieder alles einstampft, aber ich fürchte wirklich, dass der Bürgerprotest einfach zu hoch wäre. Schaut man sich an wie alleine die kleinen, kurzfristigen Maßnahmen der Busbeschleunigung mit mehrmonatigen Baustellen für Aufregung sorgen, dann mag man sich gar nicht vorstellen wie es erst ist, wenn man nicht nur Kreuzungen, sondern ganze Straßenzüge für das Zehnfache an Geld umbuddelt. Vielleicht Zeit für „U5 nur mit U6“ statt „U- bis Stadtbahn“? 😉

Ich hab mir mal zehn Minuten den Spaß erlaubt und die oberen zwei Bildchen grob zusammengepackt. Die erstbeste Kartenvorlage hatte leider den Westen Hamburgs nicht näher drauf und östlich der Alter (Goldbekplatz/Winterhuder Weg/Mundsburg) hab ich etwas undeutlich gearbeitet gepfuscht (und clever, wie ich war, keine Ebenen angelegt, um es zu korrigieren), aber für mehr fehlt gerade etwas die Zeit. Kommt vielleicht noch, wenn mir zudem mal langweilig ist.

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Und nun noch als „Fahrplan“, ebenfalls nur flüchtig. Wie ich gerade sehe, hab ich bei der oberen Variante auch Dammtor/Uni fälschlicherweise „Grindel“ genannt und die eigentliche Station an der Kreuzung Grindelberg zwischen Schlump und Hallerstraße einfach namenlos gelassen; wahrscheinlich weil die weiter westliche gelegene Station Schlump da schon mit Namen stand. Peinlich. Aber gerade keine Zeit an den Fingern, um es neu zu krickeln. Sieht ja vermutlich eh kaum einer.

* Update von 18:00. Hab es nun doch versucht halbwegs zu korrigieren und stelle fest, dass der südöstliche Teil der U6 auch nicht mehr zeitgemäß ist, was auch nicht verwundert, wenn die ursprünglichen Pläne, die ich einfach übernahm bzw. abzeichnete, aus den 1920er kommen. Mindestens eine Anbindung ans S-Bahn-Netz könnte ganz hilfreich sein zwischen Burgstraße und Elbbrücken, wobei das auch etwas von den Wohnungsbauprojekten abhängt. Aber da zerbreche ich mir auch ein andern mal den Dassel.

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Wie dem auch sei. Es bleibt für „Verkehr-Nerds“ spannend. Und falls jemand einen Jux zu ernst nimmt: Nein, das ist natürlich völlig utopisch. Die Politik in Hamburg wird auch einen Teufel tun und gar nun eine zweite komplette Linie vorschlagen, wenn die U5 noch gar nicht konkretisiert ist. Und der Bürger muss wohl erst eine fertige U5 haben plus weitere Verkehrsprobleme, um nach einigen Jahren zu merken, dass weitere Linien ziemlich sinnvoll bzw. notwendig sein könnten. Da spricht man wohl eher von 2060… leider.

Nachlesen kann man die Chose auf NahverkehrHamburg.de:

 

 

Seilbahn St. Pauli-Steinwerder

Die Bürgerschaftswahl ist auch nur noch wenige Monate hin. Und morgen, spätestens Mittwoch, soll bekannt werden wie der Bürgerentscheid in Hamburg-Mitte ausgegangen ist. Was mich zunächst etwas überrascht hatte, war die hohe Beteiligung. Von 200.000 stimmberechtigten Bürgern haben 54.000, also über 25%, bereits per Briefwahl abgestimmt. So viel kam bei den letzten Bürgerentscheiden in Eimsbüttel nicht einmal insgesamt zusammen. Wobei ein kleines Einkaufszentrum in Eidelstedt oder ein einzelnes Gebäude bei Hoheluft wohl die Bürger nicht so reizt wie ein Millionenvorhaben auf St. Pauli, was insbesondere durch den Investor („Spendengelder“) die Bürger weiter sensibilisiert haben dürfte. Ins Bezirksamt Mitte gingen aber offenbar nicht einmal 1.000 Bürger, um ihre Stimme gestern abzugeben, was aber dann auch nicht so verwundert, wenn es für Bewohner aus Wilhelmsburg oder Horn keine andere Möglichkeit gibt (neben der Briefwahl) als ins Bezirksamt am Klosterwall zu fahren. Da es aber eh kein Quorum gibt, ist es soweit auch egal fürs Ergebnis.

Eine eigene Meinung habe ich mir dazu nicht gebildet bzw. stehe da etwas zwischen den Stühlen. Zum einen finde ich auch, dass Hamburg amphibisch ist und bleiben sollte. Versucht man Disneyland und jede zweite Weltmetropole gleichzeitig nachzuäffen, dann verliert man früher oder später den eigenen Charakter und wird für niemanden mehr interessant. In Wien käme ja auch niemand auf die Idee die Hochkultur und die Pferdekutschen abzuschaffen und ein „maritimes Flair“ wie eine norddeutsche Küstenstadt zu dominant zu imitieren.

Zudem kann ich die Anwohner gut verstehen, die von zunehmenden Touristenströmen stark belastet werden und nicht wünschen, dass eine noch höhere Konzentration an diesen Stellen stattfindet. Und dass das Auftreten des Investors (Millionenspende, direktdemokratische Instrumente ausnutzen, Touri-Bahn als ÖPNV darstellen, mit Floskeln wie „Sprung über die Elbe“ die Bürger veräppeln, viele leere Versprechungen wie Verlängerungen machen, …) nicht sonderlich förderlich für so ein Vorhaben im Norden ist, versteht sich von selbst. Das wird auch nicht besser, wenn eine zugezogene Gundelach öffentlich über „die Hamburger“, die immer „gegen Veränderung“ sind, diskreditierend herzieht, dem Alten Elbpark seine Bedeutung für die Anwohner einfach abspricht und sich öffentlich verhaspelt, indem sie behauptet, eine hamburgweite Abstimmung wäre nicht möglich gewesen, obwohl sie einfach die „günstigere“ Variante eines bezirklichen Bürgerentscheids wählte, da die Stimmensammelaktion ein rein kommerzielles Vorhaben war und so das besagte Quorum wegfällt.

Nichtsdestotrotz kann ich mir vorstellen, dass es durchaus mal eine Seilbahn in Hamburg gibt. Die Rahmenbedingungen müssten bloß natürlich andere sein. Also die Akteure sowie die Route. Das würde auch nicht so dominant in Erscheinung treten wie die jetzigen Pläne entlang der Landungsbrücken. So könnte ich mir — nur mal ein fiktives Beispiel ohne Wertung, ob man das Vorhaben unterstützt — vorstellen, dass im Falle Olympischer Spiele auf dem Kleinen Grasbrook dort eine Seilbahn temporär aufgebaut wird. Das könnte, je nach späterer Raumnutzung, südlich vom Hauptbahnhof am Hühnerposten losgehen, dann an durch die Hafencity und an der Speicherstadt vorbei, und letztendlich über die Elbe zum Spreehafen.

Sollten die Hafenflächen dann herausgelöst werden, seh ich auch keine rechtlichen Konflikte mehr wie wir sie zuletzt hatten, als es über den Hafen gehen sollte. Zudem dürfte das für die Gäste auch eine recht hübsche Fahrt sein, falls sie nicht mit S3 oder U4 fahren möchten. Und irgendwie müssen solche Menschenmassen ja abgewickelt werden. Milliarden wie in Sotschi zu verbuddeln für ein Infrastrukturbündel, das am Ende niemand mehr braucht und es sich auch nicht kostengünstig zurückbauen lässt, will man ja vermeiden und eher auf pfiffige, nachhaltige Mobilitätsmanagementkonzepte (welch ein Wort…) setzen. Das könnte ein Mix aus U- und S-Bahn, Bussen, Fähren, Radwegen, Fußgängerleitsystemen und eine Seilbahn in guter Abstimmung durchaus erfüllen, denk ich.

Wobei es natürlich auch ohne Seilbahn ginge. Ich wollte nur nochmal mit einem Beispiel unterstreichen, dass ich es nicht per se ablehne, auch wenn ich sehr gut damit leben kann, wenn hier niemals eine Seilbahn baumelt. Mir wär es eh lieber, wenn der Fernsehturm saniert und neu eröffnet wird. Ich weiß nicht mehr wann ich dort zuletzt drauf war, aber es dürften mittlerweile gut und gerne 20 Jahre sein.

Noch was zum Lesen:

 
ZEIT: Am 24. August endet der Bürgerentscheid zur Seilbahn über die Elbe. Dann platzt womöglich auch ein Business-Traum: Über das Dilemma des Seilbahnbauers Michael Doppelmayr.
 
ORF: Neues Verkehrsmittel oder blanker Zubringer für Touristen? Im Hamburger Kiez St. Pauli gehen dieser Tage die Wogen der Empörung hoch. Bürgerplattformen formieren sich. Nicht nur weil der österreichische Seilbahnhersteller Doppelmayr gemeinsam mit den Hamburger Musical-Theatern ein Seilbahnprojekt plant, das von Betreiberseite und mit eigener Plattform im Internet als neue Form des ruhigen und schonenden städtischen Verkehrsmittels gepriesen wird, Kritikern aber als pure Touristengondel ein Dorn im Auge ist.
 
FAZ: Streit über ein langes Seil
Ein unmoralisches Angebot? An der Elbe tobt der Streit über ein riesiges Seilbahn-Projekt. Am Wochenende dürfen die Hamburger abstimmen.
 
TAZ: Das Bezirksamt Mitte wird keine Spende von Doppelmayr annehmen. Die Seilbahnbauer aus Österreich verstehen die Aufregung nicht.
 
Teilweise etwas veraltet und überholt bzw. auf das jetzige Vorhaben nicht mehr zutreffend, aber die Mediathek von Hamburg1 hat einige Diskussionsrunden zur Hamburger Seilbahn. Der erste Link ist auch noch ziemlich neu. Die anderen zwei muss man unter Vorbehalt genießen, da Streckenführung etc. nicht mehr die selben sind. Viele Argumente pro und contra Seilbahn aber schon.
 
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Braucht_Hamburg_eine_Seilbahn-4011.html
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/(K)Eine_Seilbahn_fuer_Hamburg-3773.html
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Seilbahn_in_Hamburg___Aus_der_Traum-3219.html
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