Nord-Variante der U5 wahrscheinlich + Bürgerentscheid zur Seilbahn in Hamburg

Das Thema U5 kommt langsam voran, auch wenn die ausführlichere Machbarkeitsstudie noch auf sich warten lässt. Aber es bleibt in Diskussion. Jedenfalls sprechen mehrere Gründe dafür, dass man nicht die Route über Altona wählt, sondern über Eimsbüttel. Diese würde vom Hbf. bis zum Siemersplatz in etwa die hoffnungslos überfüllte Metrobuslinie 5 unterstützen, wo selbst eine Stadtbahn zeitnah an ihren Kapazitätsgrenzen gestoßen wäre. Gleichzeitig erspart sie eine teure Uni-Station an der Johnsallee auf der U1, während der Bau der Süd-Variante wohl recht schwierig werden könnte aufgrund sensibler Einrichtungen wie DESY. Hier nochmal beide vorläufigen Gedankenspiele (Karte vom Abendblatt):

Eine Y-Lösung scheint offenbar nicht weiter erwogen zu werden. Was ich in dem Zusammenhang aber ganz interessant finde: Auf der deutschen Wikipedia-Seite wird angegeben, dass der Alsterhalbring noch immer geplant sei. Ich weiß zwar nicht, in welchem uralten F-Plan das noch der Fall sein soll und angesichts der fehlenden politischen Diskussion ist diese Annahme auch recht abwegig, aber man wird ja noch träumen dürfen. Gerade im Zusammenhang mit einer Nord-U5 wäre das ja ganz chic aus etlichen Gründen. 😉

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alsterhalbring

Quasi an jeder zweiten Haltestelle ein Umstieg zu einer anderen Linien, primär in dichtbesiedelten Wohngebieten, Entlastung des Hauptbahnhofs, bessere Anbindung des Ostens an die Innenstadt (Hammerbrook sowie Verbindung zur Hafencity), Entlastung der U3 nördlich der Alster, Entlastung der S-Bahnen in Altona sowie bessere Anbindung Altonas, das mit einer Nord-Variante der U5 ja „leer“ ausgehen würde.

und das alles auf (zumindest laut http://www.luftlinie.org/) knapp 12km. Die von mir mal präferierte Stadtbahn, die mit etwa 50km ähnlich teuer wäre die diese 12km, wäre damit auch obsolet und hätte nur noch in wenigen Gebieten einen tatsächlichen Nutzen wie östlich der S-Bahnlinie in Wilhelmsburg, während Burgwedel etc. auch weiterhin mit der ertüchtigten Buslinie 5 angebunden werden; zumal diese immens entlastet würde.

Mittlerweile bin ich auch nicht mehr so überzeugt davon beides zu bauen. Das wäre zwar (aus meiner Sicht) technisch weiterhin die sinnvollste Lösung und würde vor allem in Hinblick auf mögliche Koalitionen recht vielversprechend klingen, um die Planungen z.B. von 2015 bis 2020 inkl. Finanzierung so voranzubringen, dass auch endlich die Bagger rollen können und ein Nachfolge-Senat nicht nach Lust und Laune wieder alles einstampft, aber ich fürchte wirklich, dass der Bürgerprotest einfach zu hoch wäre. Schaut man sich an wie alleine die kleinen, kurzfristigen Maßnahmen der Busbeschleunigung mit mehrmonatigen Baustellen für Aufregung sorgen, dann mag man sich gar nicht vorstellen wie es erst ist, wenn man nicht nur Kreuzungen, sondern ganze Straßenzüge für das Zehnfache an Geld umbuddelt. Vielleicht Zeit für „U5 nur mit U6“ statt „U- bis Stadtbahn“? 😉

Ich hab mir mal zehn Minuten den Spaß erlaubt und die oberen zwei Bildchen grob zusammengepackt. Die erstbeste Kartenvorlage hatte leider den Westen Hamburgs nicht näher drauf und östlich der Alter (Goldbekplatz/Winterhuder Weg/Mundsburg) hab ich etwas undeutlich gearbeitet gepfuscht (und clever, wie ich war, keine Ebenen angelegt, um es zu korrigieren), aber für mehr fehlt gerade etwas die Zeit. Kommt vielleicht noch, wenn mir zudem mal langweilig ist.

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Und nun noch als „Fahrplan“, ebenfalls nur flüchtig. Wie ich gerade sehe, hab ich bei der oberen Variante auch Dammtor/Uni fälschlicherweise „Grindel“ genannt und die eigentliche Station an der Kreuzung Grindelberg zwischen Schlump und Hallerstraße einfach namenlos gelassen; wahrscheinlich weil die weiter westliche gelegene Station Schlump da schon mit Namen stand. Peinlich. Aber gerade keine Zeit an den Fingern, um es neu zu krickeln. Sieht ja vermutlich eh kaum einer.

* Update von 18:00. Hab es nun doch versucht halbwegs zu korrigieren und stelle fest, dass der südöstliche Teil der U6 auch nicht mehr zeitgemäß ist, was auch nicht verwundert, wenn die ursprünglichen Pläne, die ich einfach übernahm bzw. abzeichnete, aus den 1920er kommen. Mindestens eine Anbindung ans S-Bahn-Netz könnte ganz hilfreich sein zwischen Burgstraße und Elbbrücken, wobei das auch etwas von den Wohnungsbauprojekten abhängt. Aber da zerbreche ich mir auch ein andern mal den Dassel.

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Wie dem auch sei. Es bleibt für „Verkehr-Nerds“ spannend. Und falls jemand einen Jux zu ernst nimmt: Nein, das ist natürlich völlig utopisch. Die Politik in Hamburg wird auch einen Teufel tun und gar nun eine zweite komplette Linie vorschlagen, wenn die U5 noch gar nicht konkretisiert ist. Und der Bürger muss wohl erst eine fertige U5 haben plus weitere Verkehrsprobleme, um nach einigen Jahren zu merken, dass weitere Linien ziemlich sinnvoll bzw. notwendig sein könnten. Da spricht man wohl eher von 2060… leider.

Nachlesen kann man die Chose auf NahverkehrHamburg.de:

 

 

Seilbahn St. Pauli-Steinwerder

Die Bürgerschaftswahl ist auch nur noch wenige Monate hin. Und morgen, spätestens Mittwoch, soll bekannt werden wie der Bürgerentscheid in Hamburg-Mitte ausgegangen ist. Was mich zunächst etwas überrascht hatte, war die hohe Beteiligung. Von 200.000 stimmberechtigten Bürgern haben 54.000, also über 25%, bereits per Briefwahl abgestimmt. So viel kam bei den letzten Bürgerentscheiden in Eimsbüttel nicht einmal insgesamt zusammen. Wobei ein kleines Einkaufszentrum in Eidelstedt oder ein einzelnes Gebäude bei Hoheluft wohl die Bürger nicht so reizt wie ein Millionenvorhaben auf St. Pauli, was insbesondere durch den Investor („Spendengelder“) die Bürger weiter sensibilisiert haben dürfte. Ins Bezirksamt Mitte gingen aber offenbar nicht einmal 1.000 Bürger, um ihre Stimme gestern abzugeben, was aber dann auch nicht so verwundert, wenn es für Bewohner aus Wilhelmsburg oder Horn keine andere Möglichkeit gibt (neben der Briefwahl) als ins Bezirksamt am Klosterwall zu fahren. Da es aber eh kein Quorum gibt, ist es soweit auch egal fürs Ergebnis.

Eine eigene Meinung habe ich mir dazu nicht gebildet bzw. stehe da etwas zwischen den Stühlen. Zum einen finde ich auch, dass Hamburg amphibisch ist und bleiben sollte. Versucht man Disneyland und jede zweite Weltmetropole gleichzeitig nachzuäffen, dann verliert man früher oder später den eigenen Charakter und wird für niemanden mehr interessant. In Wien käme ja auch niemand auf die Idee die Hochkultur und die Pferdekutschen abzuschaffen und ein „maritimes Flair“ wie eine norddeutsche Küstenstadt zu dominant zu imitieren.

Zudem kann ich die Anwohner gut verstehen, die von zunehmenden Touristenströmen stark belastet werden und nicht wünschen, dass eine noch höhere Konzentration an diesen Stellen stattfindet. Und dass das Auftreten des Investors (Millionenspende, direktdemokratische Instrumente ausnutzen, Touri-Bahn als ÖPNV darstellen, mit Floskeln wie „Sprung über die Elbe“ die Bürger veräppeln, viele leere Versprechungen wie Verlängerungen machen, …) nicht sonderlich förderlich für so ein Vorhaben im Norden ist, versteht sich von selbst. Das wird auch nicht besser, wenn eine zugezogene Gundelach öffentlich über „die Hamburger“, die immer „gegen Veränderung“ sind, diskreditierend herzieht, dem Alten Elbpark seine Bedeutung für die Anwohner einfach abspricht und sich öffentlich verhaspelt, indem sie behauptet, eine hamburgweite Abstimmung wäre nicht möglich gewesen, obwohl sie einfach die „günstigere“ Variante eines bezirklichen Bürgerentscheids wählte, da die Stimmensammelaktion ein rein kommerzielles Vorhaben war und so das besagte Quorum wegfällt.

Nichtsdestotrotz kann ich mir vorstellen, dass es durchaus mal eine Seilbahn in Hamburg gibt. Die Rahmenbedingungen müssten bloß natürlich andere sein. Also die Akteure sowie die Route. Das würde auch nicht so dominant in Erscheinung treten wie die jetzigen Pläne entlang der Landungsbrücken. So könnte ich mir — nur mal ein fiktives Beispiel ohne Wertung, ob man das Vorhaben unterstützt — vorstellen, dass im Falle Olympischer Spiele auf dem Kleinen Grasbrook dort eine Seilbahn temporär aufgebaut wird. Das könnte, je nach späterer Raumnutzung, südlich vom Hauptbahnhof am Hühnerposten losgehen, dann an durch die Hafencity und an der Speicherstadt vorbei, und letztendlich über die Elbe zum Spreehafen.

Sollten die Hafenflächen dann herausgelöst werden, seh ich auch keine rechtlichen Konflikte mehr wie wir sie zuletzt hatten, als es über den Hafen gehen sollte. Zudem dürfte das für die Gäste auch eine recht hübsche Fahrt sein, falls sie nicht mit S3 oder U4 fahren möchten. Und irgendwie müssen solche Menschenmassen ja abgewickelt werden. Milliarden wie in Sotschi zu verbuddeln für ein Infrastrukturbündel, das am Ende niemand mehr braucht und es sich auch nicht kostengünstig zurückbauen lässt, will man ja vermeiden und eher auf pfiffige, nachhaltige Mobilitätsmanagementkonzepte (welch ein Wort…) setzen. Das könnte ein Mix aus U- und S-Bahn, Bussen, Fähren, Radwegen, Fußgängerleitsystemen und eine Seilbahn in guter Abstimmung durchaus erfüllen, denk ich.

Wobei es natürlich auch ohne Seilbahn ginge. Ich wollte nur nochmal mit einem Beispiel unterstreichen, dass ich es nicht per se ablehne, auch wenn ich sehr gut damit leben kann, wenn hier niemals eine Seilbahn baumelt. Mir wär es eh lieber, wenn der Fernsehturm saniert und neu eröffnet wird. Ich weiß nicht mehr wann ich dort zuletzt drauf war, aber es dürften mittlerweile gut und gerne 20 Jahre sein.

Noch was zum Lesen:

 
ZEIT: Am 24. August endet der Bürgerentscheid zur Seilbahn über die Elbe. Dann platzt womöglich auch ein Business-Traum: Über das Dilemma des Seilbahnbauers Michael Doppelmayr.
 
ORF: Neues Verkehrsmittel oder blanker Zubringer für Touristen? Im Hamburger Kiez St. Pauli gehen dieser Tage die Wogen der Empörung hoch. Bürgerplattformen formieren sich. Nicht nur weil der österreichische Seilbahnhersteller Doppelmayr gemeinsam mit den Hamburger Musical-Theatern ein Seilbahnprojekt plant, das von Betreiberseite und mit eigener Plattform im Internet als neue Form des ruhigen und schonenden städtischen Verkehrsmittels gepriesen wird, Kritikern aber als pure Touristengondel ein Dorn im Auge ist.
 
FAZ: Streit über ein langes Seil
Ein unmoralisches Angebot? An der Elbe tobt der Streit über ein riesiges Seilbahn-Projekt. Am Wochenende dürfen die Hamburger abstimmen.
 
TAZ: Das Bezirksamt Mitte wird keine Spende von Doppelmayr annehmen. Die Seilbahnbauer aus Österreich verstehen die Aufregung nicht.
 
Teilweise etwas veraltet und überholt bzw. auf das jetzige Vorhaben nicht mehr zutreffend, aber die Mediathek von Hamburg1 hat einige Diskussionsrunden zur Hamburger Seilbahn. Der erste Link ist auch noch ziemlich neu. Die anderen zwei muss man unter Vorbehalt genießen, da Streckenführung etc. nicht mehr die selben sind. Viele Argumente pro und contra Seilbahn aber schon.
 
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Braucht_Hamburg_eine_Seilbahn-4011.html
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/(K)Eine_Seilbahn_fuer_Hamburg-3773.html
http://www.hamburg1.de/sendungen/SchalthoffLive/Seilbahn_in_Hamburg___Aus_der_Traum-3219.html
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Konservative Rechentricks mit Baugenehmigungen

Da traf mich ja fast der Schock vorhin. Eigentlich wollte ich nur hin und wieder etwas über Verkehrspolitik schreiben, aber dann mache ich mal eine Ausnahme. Die FAZ berichtet, dass Großstädte nicht mehr bauen würden und verspricht in ihrer Überschrift sogar eine Erklärung.

Warum die Großstädte keine Wohnungen mehr bauen

Überall in Deutschland sind Baustellen. Nur in vielen Großstädten, in denen bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist, werden weniger neue Wohnungen geplant. Warum nur?

Hier klicken

und hier

Die beiden Journalisten haben es jedenfalls geschafft, dass diese Überschrift meine Aufmerksamkeit erhalten hat und ich den Artikel angeklickt habe. Dafür schon einmal ein Glückwunsch. Das eigentliche Drama beginnt anschließend und ich weiß gar nicht, wo genau ich am besten anfangen solle.

1. Geht es den Journalisten nur um die ersten beiden Halbjahre von 2013 und 2014. Ein Trend ist daraus natürlich nicht abzuleiten. Indirekt weisen die Autoren auf ihre Unlogik sogar schon hin indem sie auf Fälle wie Heidelberg verweisen, wo ein einzelnes neues Wohngebiet, wie es nicht jedes Jahr ausgeschrieben wird, das Ergebnis verzerrt. Leider stellt das Schreiberlingduo ihre weiteren Versuche nicht in Frage.

2. Sie nehmen nämlich nur prozentuale Veränderung zur Kenntnis. Etwas besser (wenn auch nicht optimal, aber dazu komme ich später) wäre es, wenn sie tatsächliche Baugenehmigungen mit anderen Faktoren wie der Einwohnerzahl berücksichtigen würde. Machen sie aber nicht.

Fiktives Beispiel:

Gemeinde A mit 100.000 Einwohnern vergab in der ersten Jahreshälfte von 2013 rund 100 Baugenehmigungen und erzielte damit einen neuen Rekord. Im ersten Halbjahr 2014 läuft es ebenfalls gut, aber der Rekord wird nicht erreicht. Man landet bisher bei knapp 95.

Gemeinde B hat ebenfalls 100.000 Einwohner. 2013 fiel aber recht mau aus und die Stadt hat eher mit Abriss zu kämpfen. Neubau gibt es kaum, weshalb es nur 10 Baugenehmigungen gab. 2014 gab es einen kleinen Schub und man kam auf 15 Genehmigungen, die man in einem Rutsch abgearbeitet hat.

Nun würde man annehmen, dass es Gemeinde A relativ gut geht und Gemeinde B in einem Schrumpfungsprozess ist. Nicht so die FAZ. Nach ihrer Logik hat Gemeinde B nun einen „Bauboom“ (Wortwahl aus Einleitung), während in Gemeinde B „wenig passiert“ (ebd.)

3. Wie in 1. beschrieben, werden somit nur Schwankungen zwischen zwei Halbjahren abgeglichen. Die sind gerade in Kleinstädten deutlich größer, sowohl nach oben als auch nach unten, da eine geringe Zahl an Baugenehmigungen prozentual schon stark ausschlagen kann, weil die Grundgesamtheit sehr niedrig ist. Die Autoren nehmen aber nur die Ausreißer nach oben, aber nicht nach unten, um dann einen „Groß- vs. Kleinstadt“-Vergleich zu machen. Damit ist klar, dass sich das, was in der Überschrift steht, auch zu bewahrheiten hat.

4. Es werden nicht Halbjahre über drei bis fünf Jahre abgeglichen, was einen deutlich besseren Einblick geben könnte, da Baugenehmigungen nicht stets gleich lange bearbeitet werden und sie über einen längeren Zeitraum gehen. Beispiel: Gemeinde A und B haben gleich viele Baugenehmigungen im gesamten Jahr in Angriff genommen. Gemeinde A schafft es noch im Dezember die meisten auszugeben, Gemeinde B erst im darauffolgenden Januar. Da nur die ersten Halbjahre berücksichtigt werden, ist Gemeinde B nun erfolgreicher. Zumindest eine kleine Gewichtigung der Zahlen könnte schon helfen. Aber das machen die Journalisten nicht.

5. Baugenehmigung ist ungleich Baugenehmigung. Ein größeres Mehrfamilienhaus zu genehmigen ist nicht nur vom Aufwand, sondern auch vom Investitionsvolumen sowie vom entstehenden Wohnraum in der Regel ein völlig anderer Schnack als eine Baugenehmigung für ein Carport oder eine neue Doppelhaushälfte. Für die FAZ gibt es keine Unterschiede.

6. Die Lage der Städte wird nicht berücksichtigt. Nochmal ein fiktives Beispiel zur Veranschaulichung: Im Planungsverband München einigen sich der Landkreis München und die kreisfreie Stadt München darauf ein Wohngebiet gemeinsam zu entwickeln und verkehrlich anzubinden. Dieses Wohnviertel liegt direkt neben einem Ortsteil Münchens, der ebenfalls von der Anbindung profitiert. Die Menschen, die dort neu hinziehen, ziehen in den Landkreis München und damit „nach München“. Administrativ gehört die Region aber zum gleichnamigen Landkreis. Ergebnis: In „München“ (Stadt) passiert „nichts“, in der Kleinstadt (Landkreis München) hingegen schon, selbst wenn die Stadt München an der Planung beteiligt war und für die Erschließung Geld ausgab, um potentielle Arbeitskräfte in die Stadt zu locken.

7. Verweisen die Autoren auf die Grunderwerbssteuern als Grund, wieso Kleinstädte attraktiver seien. Das trifft aber nicht zu, da es Landessteuern sind und die sind in 14 Bundesländern bei 5% und in Schleswig-Holstein sowie Berlin bei 6,5%. Wenn also im Hamburger Speckgürtel mehr Baugenehmigungen ausgeschrieben werden als in Kiel oder Lübeck, dann hat das sicherlich einige Gründe, aber eben keine unterschiedlichen Steuersätze. Und selbst wenn Berlin deshalb unattraktiver werden würde, wäre aus einem isolierten Einzelfall so etwas nicht abzuleiten. Blöd für die Autoren zudem, dass Berlin zusätzlich nicht einmal aus der Reihe tanzt. Die Annahme, die Nachfrage nach Baugenehmigungen sei in ganz Deutschland eine Konstante und nur von dieser einen Steuer abhängig, ist schon abgefahren. Andere Kosten und Gründe werden zudem völlig ignoriert. Ganz zu schweigen davon, dass eine Baugenehmigung keineswegs stets mit einem Eigentümerwechsel eines Grundstücks einhergeht. Da muss nur jemand nachverdichten und schon hat sich das Thema damit erledigt.

8. Die FAZ nimmt einfach die Einnahmen der besagten Steuer von 2010 und dann jene von 2013. Lustigerweise nehmen sie hier aber das gesamte Jahr 2013 und nicht die erste Jahreshälfte, die sie ansonsten heranzieht. Auch berücksichtigt sie nicht, dass im Gegenzug andere Kosten (z.B. Zinsen) niedrig sind und der Bau somit insgesamt günstiger ist und mehr Investoren, ob Baugenossenschaften oder Privatpersonen, ihr Geld in Beton stecken. So zu tun, als wären die Einnahmen aufgrund von Erhöhungen von 5,29 auf 8,39 Mrd. gestiegen, ist daher ziemlich daneben. Warum die FAZ 2010 nimmt, weiß auch nur sie selbst. Sie hätte willkürlich auch 2007 nehmen kommen und wär auf 6,95 Mrd. EUR gekommen. Klänge wohl bloß nicht so spektakulär. Selbst 1999 waren es 6,06 Mrd. EUR, was inflationsbereinigt heute 7,58 Mrd. EUR wären trotz damals höherer Zinsen. Aber so eine Zahlenpickerei wäre halt genau so albern wie die Spielchen der FAZ.

9. Der Vollständigkeit halber: Schon die Überschrift ist falsch. Städte bauen nicht. Privatpersonen reichen Anträge für Baugenehmigungen ein, die bewilligt werden oder nicht. Die Darstellung wird somit weiter verzerrt, wenn man so tut, als wenn doch in Großstädten die Mieten am teuersten wären, aber die blöden, blöden Großstädter einfach nichts bauen würden. Und da sind wir wieder bei Punkt 1, wonach eine prozentuale Angabe hierzu quasi nichts aussagt.

Aber dabei belasse ich’s jetzt, sonst krieg ich noch einen Herzinfarkt.

Fazit: Es ist ja schön, dass regelmäßig über Immobilienmarkt und Stadtentwicklung berichtet wird und sich Journalisten auch mal aktuelle Zahlen vom Statistischen Bundesamt schnappen. Aber bitte nicht so.

Schalthoff: Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel mal wieder

Eigentlich tut sich in der Stadt ja mehr als genug derzeit. Die Bahn hat nun den Weg freigemacht für die Neue Mitte Altona bzw. den zweiten Bauabschnitt, da sie nun definitiv den Fernbahnhof nach Diebsteich verlegen will. Ebenso schwebt sogar im Raum den „Betonklotz“ (Bf. Altona) abzureißen und das Viertel etwas, nunja, aufzuwerten oder so.

Die Erweiterung der U4 geht auch gut voran, das Urteil für die Elbvertiefung wird bald erwartet, das StadtRAD-System wird ausgebaut, die Bauarbeiten für die Unterhausung („Deckel“) der A7 haben begonnen, einige Straßen östlich der Alster sollen Fahrradstraßen werden, immer mehr Abschnitte der Busbeschleunigung werden fertig und so langsam beginnt der Wahlkampf, in dessen Fokus neben der Verkehrspolitik (z.B. Stadtbahn/U5) auch die Bewerbung für Olympia 2024/28 besteht, die in der Regel immer in einem Atemzug mit dem Ausbau von technischen Infrastrukturen steht. Außerdem steht in wenigen Wochen in Mitte ein Bürgerentscheid zum Bau einer Seilbahn an, aber bei der fällt es mir etwas schwert, dort von einer „Infrastruktur“ zu sprechen.

Kurzum: Es tut sich viel in Hamburg. Und selbst wenn nur jedes zweite zukünftige Vorhaben (S-Bahn-Ausbau hatte ich noch gar nicht erwähnt) in der Zukunft auch angepackt wird, dann wird es das auch erstmal bleiben.

Aber nun zu Fuhlsbüttel. Bei Hamburg1 kam — vermutlich mangels anderer Themen — wieder mal zum Thema Flughafen. Und die vier Gäste (Bürger-Ini Alstertal/Walddörfer, Luftfahrt-Presse-Club, CDU sowie SPD) haben so ziemlich nichts als Unsinn verzapft, so dass es einen beim Zuhören schon wehtat. Ein paar Beispiele, die keineswegs vollständig sind, hab ich mal an einen Bekannten geschickt und kopiere es hier (unkorrigiert) einfach mal rein ohne Nennung von Namen:

Na, hin und wieder will man ja schon wissen, was noch in Hamburg so passiert. Da ist Schalthoff zu später Stunde ganz unterhaltsam, auch wenn hier alle eher aufgeregt sind über die Frage, ob in Hamburg eine U5 gebaut wird und wenn ja, wo sie verläuft. 😉

Die Diskussion fand ich aber auch etwas dünn. Vor allem störten mich auffällige Scheinargumente und Zahlentricks. „Auch Anwohner wollen den Flughafen benutzen“ z.B., obwohl es gar nicht darum geht, den Flughafen abzuschaffen, sondern z.B. um Nachtflüge und/oder eine Verlegung, was zehn Minuten mehr Anfahrt bedeutet und niemanden umbringt. Bei den Zeiten fürs Ein- und Auschecken, Gepäckabgabe usw. fällt sowas ja eh nicht ins Gewicht. Oder vermeintliche Durchschnittswerte von Lärm, die nun wirklich nichts aussagen. Was bringen mir drei laute Maschinen nachts, wenn der Durchschnitt über sieben, acht Stunden niedrig ist, weil sie statistisch kaum auffallen, aber trotzdem wen aus dem Bett rießen? Oder diese Hochrechnung von Beschwerden, die man dann auf Einwohner runterrechnet. Und damit tun sie so, als wären alle anderen, die sich nicht beschweren, zufrieden damit. Und es ist auch logisch, dass man sich in Harburg seltener beschwert als in Langenhorn oder Niendorf. Das sind ja nur Zahlentricks, um etwas möglichst niedrig aussehen zu lassen und ans Bauchgefühl des Zuschauers zu appellieren. Oder dieses „Flughafen gibt es seit 1911, also kann es fast nur Leute stören, die dort zugezogen sind“, was an sich schon mal Unsinn ist, da nicht jeder nach seiner Geburt umzieht und Wohneigentum auch vererbt wird. Damit unterstellt man einfach jedem, daß er den Lärm in Kauf nahm. Zum anderen ist diese falsche Prämisse gar nicht sinnvoll für die Frage von Qualität und Quantität des Lärms, was er in der Konklusion ja damit behaupten will. Nach seiner Logik wäre es ja auch kein Unterschied, wenn man neben einer Dorfstraße wohnt, die später zu einer Autobahn ausgebaut wird mit dem x-fachen Aufkommen und man sagt „Na, wer an eine Straße zieht, der muss ja mit diesem Lärm rechnen und darf sich im Nachhinein nicht beschweren“. Aus tatsächlichen Emissionswerten wird ein einfaches „Flughafen vorhanden, Ja oder Nein“ und nicht die Frage, wie sich Flughafen und Pax-Zahlen verändert haben. Es sagt auch nichts über Lärm, über Flugzeiten, über Messverfahren, … da fühlt man sich schon etwas für blöd verkauft. Und als sie noch meinten, wegen des Desasters um den BER könne man woanders erstmal für viele Jahre keine Vorhaben angehen, hätte ich am liebsten ausgeschaltet. Was dort tatsächlich die Probleme sind, was dort verpfuscht wurde und wie die Bürger dazu stehen, das wird alles ignoriert. Aber wem sag ich das.

Erschwerend kam hinzu, dass die gesundheitlichen Aspekte völlig außer Acht gelassen wurden. Ebenso die Verkehrssituation, der Bedarf an Wohnraum (und damit Einnahmen durch Lohnsteuer), mögliche Alternativen in der Metropolregion in Kooperation mit anderen Ländern, die Situation anderer norddeutscher Flughäfen, das alles wurde unter den Tisch gekehrt und es kam nur ein dämliches unschönes Argument nach dem anderen aus der Pistole. Dass die Ökologie (z.B. verstärkter Feinstaubausstoß durch „steilere“ Starts und Landungen) so wenig wie soziale Aspekte berücksichtigt wurde, versteht sich bei den vier Diskutanten von selbst. Sie lächeln über Alternativen, diskreditieren Anwohner und fühlen sich toll in ihrer Position. Da wird einem schon aus der Entfernung schlecht.

Und dabei gibt es so viele Gründe, die für eine (Teil-)Verlegung Fuhlsbüttels sprechen und so wenig, was für einen Verbleib spricht. Will man jede (ergebnisoffene) Diskussion aber einfach im Keim ersticken, weil man sich lieber anderen Themen widmet und selbst eh nicht betroffen ist, dann kann man natürlich mit rhetorischen Tricks um sich werfen und hoffen, dass die anderen Teilnehmer darauf hereinfallen und der (ansonsten stets gut informierte) Moderator nicht interveniert. Wobei es bei der Diskussion eh nur um drei Fluglärmfreunde ging sowie eine Diskutantin, die gar nicht weiter betroffen ist und wohl gut damit leben könnte, wenn ihr Bißchen an Lärm wegfällt und Anwohner in den angrenzenden Stadtteilen dafür massiv stärker betroffen sind. Da fragt man sich wirklich, wo das „Wolkenkuckucksheim“ [sic] eigentlich wirklich angesiedelt ist, von dem die Rede ist.