#1 „Wenn hier nicht bald was passiert, passiert hier bald was“

Dieses Zitat, das von Heinz Erhardt stammen müsste, fand ich für die Verkehrssituation in Hamburg recht passend. Worum geht’s hier? Wer ist der „Verkehrsfritze“? Fang ich mal egozentrisch mit mir an: Ich bin ein ganz einfacher Bürger Hamburgs und habe fast mein ganzes Leben hier verbracht. Zudem interessiere ich mich sehr für Verkehrspolitik und verfolge diese Themen regelmäßig, auch wenn ich selbst politisch nicht aktiv bin und auch nicht bei der Hochbahn oder einem anderen VU arbeite. Daher kann ich es mir aber auch erlauben jedes Verkehrskonzept der Parteien in der Bürgerschaft zu kritisieren oder in Teilen zu loben.

Und da mache ich nun auch weiter. Mich stört das politische Klima in der Stadt speziell bei diesem Thema sehr. Zudem empfinde ich die Argumente — und das von allen Parteien –, mal zur Veranschaulichung etwas übertrieben bezeichnet, für reinste Volksverarschung und stimmungsmachend, um Vorhaben zu torpedieren und Bürger zu verunsichern.

Die Konzepte der Parteien kurz zusammengefasst: Die regierende SPD setzt kurzfristig auf das Busbeschleunigungsprogramm und will mittel- bis langfristig zum einen eine neue U-Bahn-Linie (U5) bauen, Linien verlängern (U2, U4) und ggf. neue Haltestellen auf bestehenden Linien (U1) bauen. Eine Stadtbahn wird abgelehnt, wenn auch nicht absolut vehement. Geschätzte Kosten bisher bei 3,0 bis 3,5 Milliarden Euro.

Die CDU ist gegen einen Ausbau der U-Bahnen und wünscht sich ein riesiges Stadtbahn netzt, das nicht nur auf bisher überlasteten Buslinien verkehrt, sondern auch weitere Gebiete erschließt und neue Verbindungen schafft. Kosten dürften ähnlich sein wie bei den SPD-Plänen.

Von den Grünen wird die U-Bahn ebenso abgelehnt. Was man aber konkret möchte, wird nicht verraten. Die ursprünglichen Stadtbahn-Pläne, die von der CDU zweimal verworfen wurden (2001 und 2010), scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Nachdem Wirtschaftssenator Horch (parteilos) die U5-Pläne vorstellte, machten sich Politiker wie Till Steffen bei Schalthoff Live (Hamburg 1) vor allem um die Kosten Sorgen und wollten ein kleines Stadtbahn-Netz, das primär überlastete Buslinien (z.B. 4, 5 und 6) ersetzen soll. Zudem bemängelte man, dass es keine konkreten Pläne des Senats gebe und es daher zu lange dauern würde im Vergleich zu älteren, aber fertigen Stadtbahnplänen, auf die man teilweise zurückgreifen könnte. Wenige Tage präsentierten die Grünen hingegen einen neuen Plan, der (wie auch SPD und CDU) nur daraus bestand, dass man ein paar Linien auf Stadt- und HVV-Pläne zeichnete und ebenfalls von vorne beginnen. (Was ich nebenbei ganz einladend fand, um dem an dieser Stelle gleichzutun) Die Kosten sind dann auch nicht mehr, wie zuvor behauptet, bei 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro, sondern eher bei 3,0. Somit nehmen sich die Kosten (mal unabhängig von mögliche Verzögerungen und Baukostensteigerungen) zunächst einmal nichts.

Die FDP hingegen lehnt jede Form der Stadtbahn ab und bevorzugt den Bau der U-Bahn, auch wenn sie ihn in der vorgeschlagenen Länge für unnötig hält und eine kürzere Route bevorzugen würden; vermutlich ohne die Anbindungen von Osdorf und/oder Steilshoop, da die vorgeschlagene Linie anders nicht gekürzt werden könnte.

Von den Linken sind mir keine konkreten Vorschläge bekannt und man hörte nur, dass sie den U-Bahn-Ausbau des Senats ablehnen; nicht aus verkehrlichen Gründen, sondern weil sie nicht daran glauben, dass der Senat dies auch umsetzt. Es geht also mehr darum dem Ansehen des politischen Gegners zu schaden statt konkrete Verbesserungen herbeizuführen. Gerne wird darauf verwiesen, dass die Idee einer solchen U5 nicht völlig neu sind, aber darauf komm ich in einem späteren Beitrag noch zu sprechen.

Seitens der Piraten fielen mir in der Diskussion auch keine Ideen auf. Mit den Vorschlägen der Handelskammern haben alle präsentierten Konzepte nichts mehr gemein und ich werde sie nicht weiter beleuchten, auch wenn einige Ideen in (ferner) Zukunft durchaus aufgegriffen werden könnten. Mir geht es aber primär darum, was in diesem Jahrzehnt an Bahnen geplant und beschlossen wird, die Mitte bis Ende der 2020er Jahre zumindest teilweise in Betrieb genommen werden können.

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